
Seit ca. 10 Monaten findet am Rande von Pasacaballos eine Lanbesetzung statt, die vorallem aus Flüchtlingen aus dem Landesinneren besteht. Leute bauen sich hier notdürftig ihre Hütten zusammen und versuchen sich somit eine halbwegs lebensfähige Situation aufzubauen.
Am 25 August hat es in Pasacaballos starke Regenfälle gegeben und das gesamte Viertel, das die Leute derzeit besetzen, unter Wasser gesetzt. Darauf hin war Ausnahmezustand in Pasacaballos. Alle Zeitungen an der Küste hatten ihre Berichte auf den ersten Seiten und auch in Bogotá wurden die Zeilen über die schlimme Situation, in dem Dorf in der Nähe von Cartagena, gedruckt. Sämtliche Häuer waren zerstört und vorallem auch das wenige Hab und Gut das die Leute darin aufbewaren war kaputt. Nicht nur materielle Probleme gab es, auch Krankheiten kamen wie die Fluten über das Viertel.
Der Staat schaltete sich in diesem Problem ein wie in vielen Ländern der Welt auch. Man leistet Erste Hilfe, verteilt Essen und bietet einen Schlafplatz für die ersten Tage. Super Sache die auch notweding ist, aber was passiert danach? Was wird profilaktisch unternommen? Was wird gemacht um das Wasser beim nächsten Mal abzuhalten?
Das ganze ist jetzt über 2 Monate her und gemacht wurde nichts. Der Stadt schweigt und überlegt sogar das Viertel total zu räumen, weil in dieser Gegend eine Strasse auf die Isla de Baru führen soll, um den Touristen in der Zukunft die Fahrt zum Playa Blanca zu erleichtern. Sowie natürlich auch den Lastern und den Kränen die in absehbarer Zukunft die ganze Insel zu einem Touristenparadis verwandeln sollen. Der Bürgermeister hat einem Bauunternehmen sogar versprochen, dass die Besetzung bald kein Hinderniss mehr darstellen wird. Das ganze wurde aber noch nicht publik gemacht, weil - wie wir vermuten- die Politiker die Wahlen abwarten wollten, die letztes Wochenende stattgefunden haben. Um so wenig wie möglich unangenehm aufzufallen wurde geschwiegen. Jetzt wird das ganze sicher wieder aktuell, obwohl noch nichts offiziel bekannt ist.
In Kolumbien ist derzeit Regenzeit und das Barrio (Viertel) steht schon wieder fast so schlimm unter Wasser wie im August. Vor zwei Monaten hab ich mich schon mit meinem Projektleiter unterhalten und ihm gesagt das wir – FUNSCRI- hier etwas unternehmen müssen und seit dem sind wir auch dabei zu überlegen, was gemacht werden kann. Letzte Woche hatten wir die erste Versammlung mit den Leuten. Das ganze ist jedoch viel schwieriger, wie man es sich vorstellt, da es bis jetzt nur Ideen von uns gibt, was jedoch noch lange nicht heisst, dass diese auch von den Besetzern angenommen werden, oder auch ausführbar sind. Wir möchten nämlich in erster Linie nur eine moralische Unterstützung für die Leute sein und versuchen ihre und unsere Ideen zu verwirklichen. Uns ist dabei sehr wichtig, dass die Ideen gemeinsam ausgetragen und von den Landbesetzern mitgetragen werden. Bewusstseinstärkung und Informationen über ihre Rechtslage soll dabei mit auf dem Programm stehen.
Wir möchten sie darin stärken, selber aufzustehen und auf ihre Rechte zu bestehen. Was jedoch sehr schwierig ist, den diese Leute sind keine Kämpfer und lassen sich zu schnell unter Druck setzten. Was auch wieder irgendwie verständlich ist, denn eine Frau aus dem Barrio, die versucht hat sich durchzusetzten, wurde mittlerweile schon mehrmals bedroht. So macht man das hier -wie auch in vielen anderen Ländern der Welt- wer was sagt, wird aus dem Verkehr gezogen. Sollte das bei der Frau passieren, die mittlerweile immer wieder von der Polizei bewacht wird, ist hier natürlich die Hölle los und der Kampfgeist der Leute total verschwunden…
Auch dies ist ein Grund warum wir die ganze Sache langsam angehen müssen. Dennoch hoffe ich, dass ich in meiner wenigen Zeit die mir hier noch bleibt, etwas verbessern kann. Auf jeden Fall werde ich mein bestes versuchen… … …
Das sind die Ideen die wir versuchen werden mit den Leuten des Barrios umzusetzen:
1.) Namengebung des besetzen Barrios
2.) Antrag auf Abwasserkanal, der das Wasser der starken Regenfälle schnell in den Dique Canal ableiten soll, um Überschwemmungen zu verhindern.
3.) Pflanzungen von Magobäumen und Kokospalmen zum Nachweis der Bodenbeständigkeit
4.) Wie bekommen wir Wasser, Strom und Gas in das betroffene Gebiet?
5.) Die vier Zivildiener nehmen das Barrio als Paten und bauen auf einem grösserem Grundstück einen Versammlungsraum (Kirche). Diese soll danach der Erdiozöse übergeben werden, damit eine mögliche Vertreibung schwer gemacht wird. (Eine kleine Kirche aus Palettenbrettern, wie auch die Häuser von den Leuten im Viertel gebaut sind. Das wäre eine riessige Ehre für mich, mit den Leuten so eine Kirche zu bauen - mal sehen was daraus wird…)
6.) usw… Arbeit gibt es viel und man kann viel erreichen, wenn man den Mut hat zu beginnen…
Hi Lukas!
Man das ist echt spitze, was ihr da alles auf die Beine stellen wollt, und was ihr schon gemacht habt. Das mit der Musikgruppe find ich auch ganz toll. Das macht sicher voll Spaß. Ich freu mich schon sehr, das alles kennen zu lernen, wenn ich dich besuchen kommen. Macht weiter so!
Hi Lukas,
hab von deiner mum die info über deine homepage bekommen. hab mal ein wenig durchgeschaut. wow…..da hast ja schon einiges erlebt in dem halben jahr.
schick dir schöne grüße aus tirol nach kolumbien.
lg ramona